Das Eurogym brilliert bei den Philolympics 2026, oder: Warum wir keine denkenden Frösche sind
Wir sind keine denkenden Frösche, keine Objektivier und Registrier Apparate mit kalt gestellten Eingeweiden, – wir müssen beständig unsre Gedanken aus unsrem Schmerz gebären und mütterlich ihnen Alles mitgeben, was wir von Blut, Herz, Feuer, Lust, Leidenschaft, Qual, Gewissen, Schicksal, Verhängnis in uns haben. – Man könnte meinen, Friedrich Nietzsche habe in der Vorrede zu seiner 1882 erschienen „Fröhlichen Wissenschaft“ prophetisch eine Gegenperspektive zu unserem heutigen Zeitgeist formuliert:
Nicht die von uns geschaffenen Maschinen und künstlichen Intelligenzen sind es, die die wirklich bedeutsamen Gedanken schaffen, sondern unser Menschsein selbst.
So könnte Nietzsche damit aber ebenso den Grundgedanken der Philosophie im Allgemeinen und der Philosophieolympiade im Speziellen festgehalten haben. Nimmt man als Schüler:in bei letzterem teil, wird man mit vier philosophischen Ausgangszitaten konfrontiert, die umfassend durchdacht werden wollen. Einem davon widmet man sich genauer, um all seine Gedanken dazu zu bündeln und diese in Form von bis zu vierseitigen Essays zu ordnen und festzuhalten. Geschrieben wird mit Herz, Lust, Leidenschaft und vielleicht auch ein bisschen aus einem Verhängnis heraus (immerhin ist die dahinterstehende Lehrkraft oft der eigentliche Antrieb, bei einem solchen Wettbewerb mitzumachen; Potenziale wollen eben ausgeschöpft werden...). Man schreibt, um sich Fragen zu stellen, um sein Denken zu ordnen, um verstehen zu lernen – und was entsteht dabei? Für unser Europagymnasium ein Erfolg, der sich sehen lässt.
Romy Schuster aus der 8B holte sich den Gesamtsieg beim oberösterreichischen Landeswettbewerb (ihr Siegerinnen-Essay ist auf der Website der Philolympics nachzulesen), während ihre Klassenkollegin Sophie Rauch mit Platz zwei den Doppelsieg für das Eurogym sicherstellte – ein Novum der oberösterreichischen Philolympics! Beide waren damit berechtigt, am Bundeswettbewerb teilzunehmen, der von 22.3. bis 25.3. in Salzburg stattfand. Neben dem erneuten Essayschreiben standen diese drei Tage ganz im Zeichen der Philosophie. Wodurch zeichnen sich Krisen aus? Wie charakterisiert sich das Verhältnis des Menschen zur Natur? Wie lässt sich das Fortbestehen autoritärer Systeme erklären und lassen sich auch anarchische Gesellschaftsformen andenken? Und was hat eigentlich der Bastler mit all dem zu tun? Durch Vorträge und Workshops hochkarätiger Denker wie Konrad Paul Liessmann wurden die Schüler:innen wie die betreuenden Lehrkräfte mit Gedankenimpulsen konfrontiert, die im Kollektiv durchdacht und ausgiebig diskutiert wurden – ein Perspektiven- und Gedankenaustausch also, der Horizonte erweiterte.
Den Kern bildete jedoch der Wettbewerb selbst. 29 Landessieger:innen aus den Bundesländern Österreichs, der Schweiz und Südtirol verfassten im Zuge der „deutschsprachigen Philosophieolympiade“ ihre Essays zu Fragen nach der Freiheit des Menschen, dem Umgang mit der Moral, dem politischen Diskurs innerhalb unserer Gesellschaft und der Bedeutung der Philosophie in unserer Gegenwart. In der Endwertung belegte Romy den siebten Platz, Sophie Platz fünf. Nun, was lernen wir unmittelbar, wenn wir beginnen zu philosophieren? Die Wahrnehmung ist immer abhängig vom Maßstab, mit dem gemessen wird (Der antike Philosoph Protagoras lässt schön grüßen...). Macht man sich also bewusst, dass 1.600 Schüler:innen aus ganz Österreich, der Schweiz und Südtirol am diesjährigen Wettbewerb teilgenommen haben, ist die Top 10-Platzierung beider unserer Nachwuchsphilosoph:innen ein wirklich herausragender Erfolg. Wir gratulieren herzlich!
Am Ende ist es jedoch nicht der Wettbewerb, der zählt – es ist die Erfahrung der Schüler:innen selbst, die Bestätigung dessen, dass ihre Gedanken und die Worte, die sie dafür finden, Bedeutung haben, dass sie etwas zum gesellschaftlichen Diskurs beitragen können, und dass wir, mit Nietzsche gesprochen, eben keine denkenden Frösche sind, sondern Menschen, mit all unseren Komplexitäten, die im Guten wie im Schlechten verankert sind. Gerade dadurch entsteht etwas Bedeutsames, gerade dadurch zeichnen wir uns letztlich aus.

