Europagymnasium im Burgtheater bei Goethes Faust

 

 September 2023 / 7ab, 8b / D

Exkursion

von Feststiegen, Hollywoodaction und „Moves“, die nur an die ZuseherInnen aus dem Europagymnasium gerichtet

Durch einen glücklichen Zufall war es einer Gruppe der SchülerInnen der 7a, 7b und 8b möglich, dass sie tatsächlich relativ kurzfristig zu Karten für die Wiederaufnahme von Martin Kusejs Inszenierung des Goethe‘schen Faust im Wiener Burgtheater gekommen ist.
41 SchülerInnen aus den erwähnten Klassen haben sich, und das muss betont werden, freiwillig, entschieden, sich diese Produktion am 6. Oktober – also einem Freitag (was die Sache noch erstaunlicher werden lässt) anzusehen. Auch eine Gästin aus der HAK, unsere ehemalige Unterstufenschülerin Leonie Kranzlmüller, hat uns begleitet.


Als Vorbereitung hat sich einer der Schauspieler, Robert Reinagl, für eine Stunde bereiterklärt, uns durch „die Burg“ zu führen, dabei den Grund der Feststiegenbreite (musste mit der Breite des gegenüberliegenden Rathauses mithalten können), die Klimtfresken (sind vermutlich wertvoller als das ganze Haus) und die technischen Möglichkeiten der Bühne zu erläutern. Zum Abschluss versprach er uns, während des Stückes (er verkörperte fünf verschiedene Rollen) eine spezielle Bewegung während der Aufführung nur für uns zu tätigen (wir sollten auf die berühmte Augenwischer-Tanzbewegung von John Travolta aus Pulp Fiction achten).
Nach einer etwa zweistündigen Spazier-, Shopping und/oder Futterpause, versammelten sich unglaublich gut, teilweise sogar sensationell gekleidete junge Menschen vor dem Haupteingang des Spielhauses am Ring.
Das Stück beginnt. Lichteffekte, drehende Bühne, Theaterblut in Massen, Technosound und eine pyrotechnische Explosion ... und ein bisschen Best-of-Faust-Zitate.
In weiterer Folge stehen Nacktheit, einerseits als dramaturgisch sinnvolle Bloßstellung, wie sie etwa Gretchen entspricht, andererseits auch wieder als reingefühlter Schauwert und eine angedeutete Terrormiliz mit einem kindlichen Selbstmordattentäter exemplarisch für die, verzeihen Sie dieses Wort, Effekthascherei. Herausstechend ist die Figur der Mephista (Bibiana Beglau), die vor allem von der körperlichen Anforderung her eine sensationelle Performance abliefert.
Schon in der Pause und noch mehr nach dem Verklingen des Schlussapplauses standen daher viele Fragezeichen in den Gesichtern der SchülerInnen, die – einige intensiver, einige nicht ganz so – doch schon Kontakt mit dem Fauststoff und dem Aufbau gehabt hatten.
Kusej nämlich mixt frisch fröhlich, manchmal scheint es sogar willkürlich, die Szenenfolgen, sowohl aus Der Tragödie erster wie auch zweiter Teil, kürzt, fügt hinzu und setzt vorrangig auf Schauwerte denn auf die Tiefe der Figuren.
Andererseits wird natürlich auch gezeigt, was Bühne alles kann. Der Diskurs darüber, ob Reduzierung den Figuren mehr Platz lässt, oder ob Bühne eben Bühne ist, und damit auch verstärkt die visuellen Sinne beschäftigen soll, ist müßig, da einfach beides möglich ist.
Trotz aller Verwirrtheit, die die Inszenierung zurückließ, wurde auf der Heimfahrt intensiv nachdiskutiert – und das zeigt dann doch wieder die Kraft, die das Theater ausüben kann.
Ach ja, und im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass nicht nur der bereits erwähnte Robert Reinagl sondern auch noch zwei weitere DarstellerInnen die Travolta’schen Moves gezeigt haben – gesamt über 15 Mal.
Das Europagymnasium hat also die Inszenierung beeinflusst.

Helmut Schwabegger

Europagymnasium vom Guten Hirten - 4342 Baumgartenberg 1 - Tel +43 7269 75 51 - Fax +43 7269 75 51-25