Gelebte Zivilcourage

 April 2023 / 7b / GSP

Gelebte Zivilcourage

Am 2. Februar 1945 versuchten über 500 sowjetische Kriegsgefangene aus dem Konzentrationslager Mauthausen zu entkommen. Unmittelbar nach dem Vorfall wurden die entflohenen Häftlinge für vogelfrei erklärt und die Bevölkerung wurde aufgefordert bei der Aufspürung und Eliminierung der ehemaligen Insassen Unterstützung zu leisten. Jegliche Hilfestellung wurde unter hohe Strafen gestellt, allen war klar: „Wenn wir ihnen helfen kommen wir auch ins Konzentrationslager.“ Schlussendlich überlebten nur elf sowjetische Häftlinge das von den Nationalsozialisten als "Mühlviertler Hasenjagd" bezeichnete Kriegsverbrechen durch die Hilfe von Familien, die Zivilcourage über die Angst vor den Nationalsozialisten stellten.


Die Familie Langthaler war eine von ihnen. Die jüngste Tochter, Anna Hackl war damals erst 13 Jahre alt und hat uns am 19. April besucht und den Schüler*innen der 4b, 7a und 7b Klassen geschildert, wie sie das Geschehene erlebt hat. Als einige Tage nach dem Ausbruch, kurz vor dem morgendlichen Gottesdienst, ein Mann bei ihnen vor der Tür stand und erklärte er sei Dolmetscher, war der Mutter, Maria Langthaler, bereits klar, dass dieser Mann aus dem „Todesblock“ geflüchtet war. Sie selbst hatte zwei Söhne im Krieg und wollte, dass diese zurückkommen. Also fragte sie den Fremden: „Du hast doch sicher eine Mutter zuhause?“ Er antwortete mit einem einfachen „Ja“, er konnte gebrochen Deutsch. Sie dachte sich, dass sie und ihre Familie jetzt genau das tun würden, was sie sich wünschen würden, falls ihre Söhne in eine ähnliche Situation geraten würden. Schließlich nahmen sie noch einen zweiten Geflohenen auf, da sich dieser auf dem Heuboden versteckt hielt. Unter Lebensgefahr wurden Nikolai Zimkolo und Michail Rybtschin drei Monate lang versorgt, bis sie zum Kriegsende heimkehren konnten.
Die Geschehnisse hautnah von einer Zeitzeugin geschildert zu bekommen, war etwas ganz Besonderes und die Schüler*innen zeigten sich deutlich interessiert und dankbar für den Besuch von Anna Hackl. Am Ende ihres Vortrags gab sie uns noch eines mit auf den Weg: So etwas dürfe nie wieder passieren, und es würde an uns allen liegen wachsam zu sein, denn wir seien die Zukunft.
Maria Heiligenbrunner 7b

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