Juni 2013 / 6a / RK
FrühstückimDunkeln

Das Auge gehört zu den wichtigsten Sinnesorganen des Menschen. Gleichzeitig schränkt es die anderen Sinne ein. Sobald ich sehe, was ich in der Hand habe, brauche ich es nicht mehr abzutasten. Sobald ich sehe, was ich esse, brauche ich mich nicht mehr auf meinen Geruchssinn verlassen. So einfach hat es Johann, ein blinder Mann aus Linz, den SchülerInnen der 6a erklärt. Diese haben sich auf das Abenteuer eingelassen, in einem vollständig abgedunkelten Raum zu frühstücken.

Johann führte uns zu einem Tisch, der bereits gedeckt war. Dort mussten wir uns auf die Sinne des Schmeckens, Riechens, Tastens und Hörens verlassen, um Semmeln aufzuschneiden und zu bestreichen. Es ist ganz und gar nicht einfach, ohne seine Sehkraft Butter von Streichkäse zu unterscheiden oder sich einen heißen Tee in die Tasse einzuschenken und anschließend die Teekanne weiterzugeben. Unser Geschmackssinn enttäuschte uns bei der Frage, ob wir Erdbeer- oder Marillenmarmelade gegessen hätten. Ganz Mutige durften auch den abgedunkelten Raum abgehen und dabei ihre Orientierung auf den Prüfstand stellen, um auch wieder auf ihren Platz zurück zu finden. Johann prüfte auch unser Zeitgefühl, welches wir in der Dunkelheit vollkommen verloren hatten.

Beeindruckt zeigten wir uns von Johanns Erzählungen aus seinem Leben. Er lehnt für sich die Bezeichnung „behindert“ ab und berichtet uns über seine Erfahrungen vom Reisen, Bergsteigen und den Erfolgen im Sport. Er zeigte uns Tricks und Hilfsmittel, mit denen blinde Menschen den Alltag bewältigen können (sprechende elektronische Geräte, Farblesegeräte, Geldscheine ertasten, Blindenstab, …). Außerdem klärte er uns darüber auf, wie man blinden Menschen helfen kann und welcher Umgang mit ihnen wichtig ist bzw. welches Verhalten fehl am Platz ist.
Wir bedanken uns ganz herzlich beim Linzer Blinden- und Sehbehindertenverband und bei Johann, die uns Blindheit erlebbar gemacht haben.

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