Februar 2015 / AbsolventInnen
cornelia ko

Nach meiner Matura im Jahr 2007 hätte wohl viel dafür gesprochen, meine pianistische Karriere weiterzuverfolgen, der ich während meiner gesamten Schulzeit einen Großteil meiner Freizeit widmete. Doch wie so oft kam alles ganz anders und ich entschied mich aufgrund meiner großen Leidenschaft für Sprachen, die auch schon im Europagymnasium mitgeprägt wurde, für das Bachelorstudium „Transkulturelle Kommunikation“ und das anschließende Masterstudium „Konferenzdolmetschen“ an der Universität Wien.

Was zunächst ganz harmlos mit dem Vertiefen der englischen und französischen Sprachkenntnisse und dem Einblick in verschiedene Fachsprachen wie Technik, Medizin oder Recht begann, entwickelte sich besonders im Verlauf des Masterstudiums zu einem intensiven, fordernden Training, bei dem ich nicht nur einmal dem Verzweifeln nahe und mit rasendem Puls in der Dolmetschkabine nach Worten rang. Irgendwann wurde mir klar, dass die Feststellung einer Studie der WHO, Dolmetscher hätten nach Piloten und Fluglotsen den stressigsten Job überhaupt, doch nicht ganz falsch sein kann. Trotz alledem blieb und bleibe ich davon überzeugt, mich für den richtigen Beruf entschieden zu haben, und vielleicht sind es auch gerade diese Herausforderungen, die das Dolmetschen für mich so faszinierend machen.

Nach sechs Jahren intensiven Studiums, einem Auslandssemester an der Universität Genf und einem Praktikum bei Red Bull Nordamerika in Los Angeles stehe ich nun am Anfang meines Berufslebens. Seit meinem Studienabschluss im Oktober 2013 mit Auszeichnung hatte ich bereits mehrmals die Gelegenheit, mein erlangtes Wissen in die Tat umzusetzen – so etwa bei Dolmetscheinsätzen im Haus der Europäischen Union, bei den Vereinten Nationen in Wien und in der Wiener Hofburg. Jeder neue Dolmetschauftrag bedeutet, sich tage-, wenn nicht sogar wochenlang genauestens auf das jeweilige Thema vorzubereiten, um dann bei der Tagung oder Konferenz die richtigen Worte zu finden. Das Schöne an meinem Beruf ist, dass niemals Langeweile aufkommt, man sich immer wieder intensiv mit neuen Themen auseinandersetzt und sich dadurch ständig weiterbildet.

Ich bin hauptberuflich als Übersetzerin in einer Wiener Patentanwaltskanzlei angestellt, wo ich mich mit Patentbeschreibungen und -ansprüchen aus den Fachbereichen Chemie und Technik beschäftige. Nebenbei arbeite ich auch freiberuflich als Übersetzerin und Dolmetscherin – mehr zu meiner Tätigkeit finden Interessierte auf meiner Homepage www.sprachendienste-koller.at. Ich möchte an dieser Stelle auch auf meinen Blog sprachlounge.net verweisen, auf dem ich regelmäßig über Themen aus den Bereichen Sprache, Übersetzen und Dolmetschen berichte. Interessierte sind herzlich dazu eingeladen, meinem Blog zu folgen und ihre Meinung in Form von Kommentaren mit mir zu teilen.

Natürlich besteht das Leben aber nicht nur aus Arbeit – in meiner Freizeit widme ich mich der Fotografie, fahre Mountainbike, segle leidenschaftlich gern und mache Reisen, wann immer es die Zeit zulässt. Auch das Klavier ist noch immer ein wichtiger Teil meines Lebens, auch wenn ich mittlerweile in den Bereich der Jazz-Improvisation gewechselt habe. Ich hatte das Glück, von meinen Eltern und meinem persönlichen Umfeld vermittelt zu bekommen, worauf es im Leben wirklich ankommt: das zu machen, was ich wirklich will, und offen gegenüber Neuem zu sein. Die Wichtigkeit dieser Dinge wurde mir im Laufe der letzten Jahre immer bewusster. Rückblickend betrachtet bekam ich auch von vielen Professorinnen und Professoren des Europagymnasiums diese Werte in den verschiedensten Ausprägungen mit auf den Weg. All diese Einflüsse wirken bis heute auf mich ein und ich bin allen sehr dankbar dafür.

Die Zeit im Europagymnasium war ein wichtiger Teil meines Lebenswegs, ein solider Grundstein in Form von exzellenter Ausbildung und wertvollen Lektionen für das Leben, auf dem ich aufbauen konnte und auch in Zukunft weiter aufbauen werde. Ich bin sehr gespannt, was die Zukunft noch für mich bereithält, wohin mich meine berufliche Laufbahn führen wird und was ich auf meinem weiteren Lebensweg noch alles sehen und lernen werde. Denn auch wenn man es manchmal nicht wahrhaben will: Genau das macht das Leben so spannend – nicht alles planen zu können und manchmal einen Weg zu gehen, von dem man nicht weiß, wo er eigentlich hinführt.